Informationen für Hersteller

Native Formate oder IFC?

Wenn Sie Herstellerdaten für Architekten mit ARCHICAD erstellen möchten, müssen Sie sich mit den nativen ARCHICAD Formaten auseinandersetzen. Es gibt zwar prinzipiell herstellerunabhängige Formate wie das bekannte IFC Format, allerdings wurde und wird das IFC Format für einen gänzlich anderen Zweck entwickelt:
Über IFC übergibt man einen festen Stand einer Planung (Gebäude, System etc) von einer Disziplin an eine andere. Für die Übergabe von herstellerbezogenen Daten ist IFC nicht geeignet. Was bedeutet, dass Hersteller für alle Autorensysteme Daten im jeweils nativen Format bereit stellen müssen.

Für ARCHICAD gibt es verschiedene Daten. Je nachdem, um was es sich handelt braucht ein ARCHICAD Anwender:

  • Bibliotheken mit GDL Objekten (in der Basic ähnlichen GDL Programmiersprache) – hier können Sie eine Parametrik hinterlegen
  • Attribute (Oberflächen mit Texturen, Baustoffe, Profile, etc.) – diese werden in ARCHICAD angelegt und über den Attribute-Manager zur verfügung gestellt
  • Einfache Werte, die übertragen werden können.

Zudem speichert ARCHICAD zu jedem Element beliebige Eigenschaften, die jeder Anwender selber erstellen kann. Geläufige Eigenschaften sind Brandschutz, Schallschutz, Erstellung usw.
ARCHICAD kann Eigenschaften über die interaktiven Listen über Excel ausgeben und auch wieder importieren. So kann man eine leere Liste ausgeben, diese in Excel befüllen und dann wieder in ARCHICAD einlesen. Dabei werden dann die Eigenschaften der Bauteile befüllt.

Eigenschaften sind im ARCHICAD Workflow essentiell. Sie sind unabhängig von irgendwelchen GDL Parametern und leider auch nicht mit diesen gekoppelt. Eigenschaften können für unterschiedliche Plandarstellungen herangezogen werden (z.B. Brandschutz), erscheinen in den Listen und sind auf die jeweiligen IFC Eigenschaften gemappt, so dass sie schlussendlich über IFC mit ausgegeben werden.

Sie können auch Eigenschaften mit den jeweils passenden Auswahllisten/Optionenlisten zum Download anbieten. Diese liegen als XML-Dateien vor und können in ARCHICAD eingeladen werden.

Generell gilt bei der Erstellung von Objekten: Gehen Sie sparsam mit der Detaillierung und Rundungen um. Je weniger gerundete und kleine Teile ein Element hat, desto performanter wird es in ARCHICAD sein. Ein ARCHICAD Anwender wird ein Herstellerobjekt nur dann verwenden, wenn es das Projekt nicht verlangsamt.

Befragen Sie Architekten, welche Detailstufen sie sich wünschen. Die klassischen Pläne aus einem BIM-Modell sind im Maßstab 1:200, 1:100 und 1:50. Alles Weitere darüber liegt meistens nur als überarbeitete 2D-Auszüge aus dem Modell vor.

Wir haben Ihnen hier zusammen gestellt, wie herstellerbezogene Daten am besten für ARCHICAD zur Verfügung gestellt werden sollten. Dabei wird sich im Laufe der Zeit sicherlich einiges ändern. Wenn Sie weitere Fragen haben sollten, dann kontaktieren Sie uns einfach unter pm@graphisoft.de.

Fenster und Türen

Momentan verwendet ARCHICAD Fenster- und Türobjekte, die in einer Bibliothek bereit gestellt werden. ARCHICAD besitzt bereits eine große neutrale Bibliothek mit diversen Fenstertypen, die voll parametrisch sind und beliebig eingestellt werden können, um alle möglichen Fenster und Türen darzustellen. Diese Fenster besitzen in 2D und 3D unterschiedliche Detaillierungsgrade für die verschiedenen Maßstäbe, sind also nicht nur ein reines 3D Abbild eines Fenster, sondern verhalten sich korrekt in Grundrissen, Schnitten und Ansichten.
Zudem bedürfen viele Bestandteile keiner grafischen Darstellung und müssen nur als alphanumerische Eigenschaft für die Fenster- und Türlisten vorgehalten werden.

  1. Variante: ARCHICAD Fenster und Türen mit Eigenschaften
    Ein ARCHICAD Anwender setzt die Standard-ARCHICAD Fenster und Türen ein und füttert die Elemente nur mit herstellerbezogenen Eigenschaften. Da die Eigenschaften auch per Excel-Import in die Elemente übertragen werden können, sollten diese einfach erreichbar sein – ein Excel Download wäre in diesem Fall besser als ein reiner PDF-Katalog.
  2. Variante: Eigene Bibliothek erstellen
    Sie erstellen eine eigene Bibliothek mit Ihren Fenstern und Türen. Dabei können Sie sich an den vorhandenen Elementen aus der Standardbibliothek orientieren. Einige Bestandteile der Elemente wie z.B. seitliche Anschlüsse werden über sogenannte Makros erstellt. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Anwender immer auch die ARCHICAD Bibliothek lädt, könnten die Objekte darauf zurück greifen. Ansonsten müssten Sie eine Kopie der Makros in Ihre Bibliothek mit aufnehmen.
    Eine eigene Bibliothek hat den Vorteil, dass sie genau Ihre Varianten widerspiegelt, da die Objekte in ihrer Parametrik eingeschränkt sein können. Zudem können Sie Ihr Logo etc im User Interface der Objekte unterbringen.
    Da ARCHICAD aber neben den Parametern in den Objekten immer auch noch zusätzliche Eigenschaften vorhält, müssen Sie auch die jeweiligen Werte für die Eigenschaften vorhalten, so dass der Nutzer sie eingeben kann.
  3. Variante: Libary Part Maker
    Über das ARCHICAD Add-On Library Part Maker können Sie oder der Anwender ein festes Element in drei Detaillierungsstufen (2D und 3D) zeichnerisch erstellen. Das erzeugte Element ist in der Größe nicht parametrisch, wenn Sie also mehrere Größen vorhalten wollen, müssen Sie jeweils eine Variante speichern.
    Insgesamt ist diese Variante eher für den Anwender direkt gedacht.
  4. Variante: Favoriten
    Sie können auch Ihre Elemente in einem ARCHICAD Projekt mit den Standard Elementen erstellen und als sogenannte Favoriten abspeichern. Dabei haben Sie auch Einfluss auf die Eigenschaften, die in den Favoriten mit abgelegt werden sollen.
    Aus diesem ARCHICAD Projekt können Sie Favoriten und Eigenschaften als XML-Dateien ausgeben, die ein ARCHICAD Anwender dann wieder einlesen kann (erst die Eigenschaften, dann die Favoriten).Wenn Sie nur Türblätter zur Verfügung stellen möchten, können Sie diese erstellen lassen (siehe Variante 2) und als zusätzliche Bibliothek zur Verfügung stellen.Details wie Anschlüsse etc. sollten Sie einfach als 2D-Zeichnung vorhalten. ARCHICAD kann diese z.B. über PDF, DWG etc einlesen und zerlegen, so dass sie dann angepasst werden können.

Möbel, Badmöbel, Sanitär

Alle Arten von Möbeln und Sanitärelementen müssen Sie als GDL Objekte in einem LCF liefern. ARCHICAD Anwender benutzen das Objekt-Werkzeug, um diese Elemente zu platzieren.
Normalerweise besitzen diese Objekte je drei Detaillierungsstufen für die 2D und die 3D-Darstellung. Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, nur ein 3D-Modell zur Verfügung zu stellen, sondern auch immer ein passendes 2D-Symbol dabei sein muss. Die Steuerung erfolgt über die Modelldarstellung.

Sie können die Objekte im GDL Format erstellen, dann sind sie voll parametrisch und sehr klein in der Dateigröße.
es gibt aber zudem auch die Möglichkeit zeichnerisch in ARCHICAD mit dem Add On Library Part Maker Objekte zu erstellen. Das ist eine einfache Möglichkeit, wenn die Elemente in ihren Größen und Längen nicht parametrisch sein müssen.

Bei der Erstellung von Sanitärelementen sollten Sie zudem auch beachten, dass die Anschlüsse (Wasser, Abwasser) etc hinterlegt sind. Das ist sowohl bei der Programmierung per GDL wie auch über den Libary Part Maker möglich. Die Anschlüsse benötigt man in ARCHICAD, wenn man mit dem Haustechnik Add-On HKLSE Modeller arbeitet.

Wandaufbauten, Decken/Fußbodenaufbauten

Komplette Aufbauten wie Böden, Dachaufbauten oder Wände liegen als mehrschichtige Bauteile in ARCHICAD vor. Diese Bauteile bestehen aus den passenden Baustoffen (die wiederum Schraffuren und Oberflächenmaterialien verwenden).
Wenn Sie einen Aufbau zur Verfügung stellen möchten, können Sie diesen entweder auf Basis der Standardbaustoffe der Standardvorlage aufbauen oder eigene neu erstellte und benannte Baustoffe verwenden.

Die mehrschichtigen Bauteile können:

  • als XML aus dem Attribute-Manager erstellt werden
  • in einer PLN oder MOD-Datei vorgehalten werden, so dass sie per copy/paste eingeladen werden können

Treppen-Bestandteile

Eine Treppe in ARCHICAD besteht aus einzelnen Komponenten (Holme/Träger, Trittstufen und Setzstufen). Da diese Elemente als GDL Objekte vorliegen, können Sie auch eigene Objekte in der gleichen Art erstellen, die das Treppen-Werkzeug dann einsetzt.
Passend dazu sollten Sie auch Oberflächenmaterialien anlegen, die die Objekte dann verwenden.

Wo und wie kann man ARCHICAD Content veröffentlichen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Content für ARCHICAD zu veröffentlichen.

BIMcomponents
BIMcomponents.com ist eine Webseite von GRAPHISOFT, die direkt mit ARCHICAD verbunden ist. Wenn Sie in ARCHICAD nach Objekten suchen, sucht ARCHICAD in den geladenen Bibliotheken und zeitgleich auf BIMcomponents.com. Die Ergebnisse sind durch ein Icon (Weltkugel) gekennzeichnet. Die Objekte werden direkt in die eingebettete Bibliothek im Projekt geladen.

Der Content-Upload ist kostenfrei, Sie müssen sich dort nur registrieren. Der große Vorteil liegt in der direkten Verbindung zu ARCHICAD.

Auf Ihrer eigenen Webseite
Wenn man sich fragt, wo ein Architekt Elemente sucht, dann landet man sicher immer auf der eigenen Webseite. Wenn Sie hier Content hosten, lädt der Architekt die Bibliotheken herunter, legt sie lokal ab und verknüpft sie mit den ARCHICAD Projekten. So kann man projektspezifische aber auch bürointerne Bibliotheken erstellen.
Sie können auf Ihrer eigenen Webseite auch eine Registrierung o. ä. verlangen, um an die Kontaktdaten der Büros zu gelangen.

Portale für BIM Objekte
Es gibt mehrere Portale, die das Objekt-Hosting (inkl. Erstellung) als Dienstleistung anbieten. Informieren Sie sich dort direkt über die Konditionen. Die Objekte bzw. Bibliotheken muss der Nutzer aber auch hier herunterladen und manuell verknüpfen.

In welchem Format?
Generell gibt es für ARCHICAD Objekte das Dateiformat .GSM und .LCF.
GSM sind einzelne Objekte, die für sich funktionieren. Sie können auch das User Interface mit Bildern enthalten. Ein GSM Objekt ist in der Regel ein nicht zu komplexes Element und besteht nur aus einem Element. Objekte können aber auch aus mehreren Makros bestehen. Das tritt auf, wenn bestimmte Komponenten des Objektes auch in anderen Elementen verwendet werden.
Dann benötigen Sie eine LCF-Datei – ein Library Container File. In einer Bibliothek sind mehrere Objekte inkl. der Makros und evtl andere Dateien wie Bilder enthalten.

Wenn Sie Attribute bereit stellen möchten (Baustoffe, Oberflächenmaterialien, mehrschichtige Aufbauten, Profile etc.), können Sie diese als XML-Dateien (und der verwendeten Bild-Dateien) zur Verfügung stellen. Die Attribute erstellen Sie in ARCHICAD und geben sie über den Attribute-Manager aus. Ein ARCHICAD Anwender kann diese dann über den Attribute Manager dazuladen.

Ein weitere Möglichkeit besteht darin, aus ARCHICAD heraus eine MOD-Datei (Modul) zu schreiben, die die betreffenden Aufbauten enthält. Der ARCHICAD Anwender kann die MOD-Datei öffnen und die Elemente einmal per Copy/Paste in sein Projekt einfügen.

Lassen Sie sich beraten, um die beste Variante für Sie heraus zu finden.

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